Ed Struijlaart

Dieb mit Reue

Dieb mit Reue

Ok, hier folgt eine bizarre Geschichte. Mach es dir gemütlich…

Letzten Freitag traten wir im Zwolse theaters, Odeon auf. Bis auf 2 Plätze ausverkauft, also hatten wir riesig Lust darauf. Es ist sowieso immer ein Fest, in Zwolle zu spielen. Außerdem kam Jaap Reedijk vorbei, um Fotos zu machen. Was will man mehr? Wir kamen entspannt rechtzeitig im Theater an und begannen mit dem Aufbau. Die Show lief gut und euphorisch kamen wir von der Bühne. Es ist so toll, wenn alles zusammenkommt - dafür macht man es! Wir wollten auch im Hotel übernachten, also sollte diese Euphorie sich noch in ein paar Drinks an der Hotelbar verwandeln. Alles war eingepackt, ich holte meine Jacke aus der Garderobe, zog sie an und zu meiner großen Verblüffung fühlte ich meinen Geldbeutel nicht an der Stelle, wo er immer sitzt. Leichte Panik - ich bin nämlich ziemlich pingelig, was meinen Geldbeutel angeht, und ich war mir sicher, dass er in meiner Jackentasche war. Eine Suchaktion durch das ganze Theater folgte, ich rekonstruierte all meine Schritte… aber kein Geldbeutel! Mir brach der Schweiß aus, denn neben all meinen Bankkarten und Kreditkarten waren auch mein Führerschein und Fahrzeugschein drin. Ich beschloss, mein Handy zu nehmen und mich in meiner ING-App einzuloggen. Tatsächlich: Es wurden allerhand Beträge in Zwolle abgebucht. Auch von meiner Rabo-Karte war Geld abgehoben. Verdammt - diese dreckigen Ratten waren einfach in unserer Garderobe! Zu diesem Zeitpunkt griff Schlagzeuger Leon nach seinem Geldbeutel und sah zu seinem großen Schrecken, dass ihm ebenfalls Karten gestohlen worden waren. Aber er hatte seinen Geldbeutel noch. Ich schaute schnell in meinen Rucksack, aber zum Glück ließen sie meinen Laptop und andere wertvolle Sachen liegen. Es ging ihnen offenbar wirklich nur um die Bankkarten - per kontaktlosem Bezahlen verursachten sie in kürzester Zeit einen Schaden von 130 Euro. Ich beschloss sofort, die Banken anzurufen und meine Karten sperren zu lassen. Weg war die gute Stimmung, weg die Atmosphäre… Im Hotel angekommen versuchten wir zu rekonstruieren, was passiert war. Es war bereits während unseres Soundchecks passiert. Der begann kurz vor 17.00 Uhr, und um 17.12 Uhr war die erste Transaktion im City Spar (etwa 3 Gehminuten vom Theater). Danach gingen sie in den Bjorn-Borg-Laden, um sich eine Unterhose zu kaufen (!), dann zur Etos (Drogerie), zweimal zum Kruidvat (Drogeriemarktkette), zum Mac - und schließlich stiegen sie in den Zug Richtung Assen, um sich dann nach Groningen zu begeben.

Am Samstagmorgen begann ich früh damit, die Aktionen der Diebe weiter zu rekonstruieren. Ich beschloss, alle Geschäfte anzurufen und zu fragen, ob sie Kameraaufnahmen hatten. Die hatten sie… und das Witzige ist, dass die Diebe sehr gut zu erkennen waren. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau. Beide hatten eine dunkle Hautfarbe, und die Frau hatte blaues (!) Haar und ein Tattoo auf dem Jochbein. Unübersehbar. Es war wirklich schön, wie hilfsbereit alle waren. Alle Geschäfte sicherten die Kameraaufnahmen, damit die Polizei sie abholen konnte. Auch die Banken waren super - noch am selben Samstag hatte die ING mein Geld zurückgebucht. Kompliment. Die Rabo folgte einen Tag später. Auch top.

Aber jetzt kommt es. Sonntagabend. Ich sitze auf der Couch, bereit für das F1-Rennen in Mexiko. Ein kleines Bier nebenbei. Plötzlich bekomme ich eine private Nachricht auf Instagram:

“Beste Ed, deine Karten habe ich an die Adresse auf dem Foto geschickt. Und bitte die Kontonummer, auf die ich das Geld zurückschicken kann. Meine aufrichtige Entschuldigung”

Ich verschlucke mich fast an meinem Bier. Das kann doch nicht sein - dass die Diebe direkt Kontakt mit mir aufnehmen! Der Name beim betreffenden Account war zudem nicht googlebar. Also dachte ich zuerst, ich werde von einem nicht näher zu nennenden Kollegen getrolt. Das habe ich nämlich schon mal am eigenen Leib erlebt, also lass ich nichts mehr aus. Aber nein - die Person war absolut ernst. Ich stellte Fragen, bekam aber keine Antwort… letzten Mittwoch lag auf der Adresse meiner Mutter (ich frage mich, wie sie daran gekommen sind) ein Umschlag im Briefkasten mit fast allen meinen Karten! Das Einzige, was fehlt: meine NS-Businesscard, die Müllpass der Gemeinde und der Geldbeutel selbst! Mein Gott, was für eine Geschichte. So viele Fragen… Was ist passiert? Haben die Diebe Streit untereinander gekriegt? Hatten sie einfach Reue? Haben sie mich online gesucht, meine Geschichte gelesen und danach Gewissensbisse bekommen? Uff. Soll ich die Anzeige jetzt fallen lassen oder einfach weitermachen? Das Geld haben sie übrigens noch nicht zurückgeschickt.

Die Moral der Geschichte ist, dass ich fortan meine Sachen nicht unbeaufsichtigt in der Garderobe lasse. Oder sie zumindest in Schließfächer tue, wenn diese vorhanden sind. Aufruf an alle Theater in den Niederlanden: Sorgt dafür, dass backstage nicht für jeden zugänglich ist. Bringt ein Zahlenschloss an der Tür an oder lasst einfach jemanden die Tür für uns aufschließen, wenn wir kurz rausgehen wollen. Nicht jedem ist zu trauen - aber zum Glück gibt es auch Diebe mit Reue. Es gibt noch Hoffnung, immer Hoffnung!